Piercing
“Mama, Papa ich will ein Piercing!”
An diesem Punkt scheiden sich die Geister der “Erziehungsgewaltigen”.
Die Erziehungsgewalt - auch so eine unselige Wortschöpfung.
Manchmal hat man den Eindruck, Eltern würden dies allzu wörtlich nehmen.
Wir meinen nicht die physische Gewalt, sondern vielmehr die rigorose Ablehnung, ohne sich jemals ernsthaft und sachlich damit auseinandergesetzt zu haben. Sei es aus Zeitmangel, Desinteresse oder nur aus Angst vor dem neuen, unbekannten. Genauso falsch ist, unserer Meinung nach der leichtfertig ausgestellte Freischein, der ihr Kind bei der Auswahl des richtigen Studios alleine lässt. Diese Methode mag zwar sehr bequem sein, ist jedoch wenig verantwortungsbewusst. Information tut Not. Anstatt sich an geeigneten Stellen sachkundig zu machen, beziehen viele ihr “Wissen” aus der Regenbogenpresse, vom Stammtisch, Nachmittags-Talkshows oder aus “Erfahrungsberichten” von Menschen, welche selbst kein Piercing tragen.
Da sprechen Blinde von Farben und Taube von Musik. In unserem Studio versuchen wir nicht nach dem “Papieralter” zu gehen, sondern uns vielmehr ein Bild von der geistigen Reife dieses jungen Piercing-Interessierten Menschen zu machen. Wenn unserer Meinung nach ein Bewusstsein für das leicht erhöhte Verletzungsrisiko beim Tragen von Körperschmuck zu erkennen ist, sowie ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein welches zum Pflegen einer solchen “Verletzung” vonnöten ist, gibt es für uns nur noch medizinische oder ästhetische Gründe ein Piercing abzulehnen.
Medizinische Gründe, die uns zur Ablehnung eines Piercings veranlassen sind vor allem anderen, noch zu erwartende Wachstumsschübe (z. B. beim Bauchnabelpiercing) oder auch Zahnspangen bei Zungenpiercing / Lippenpiercing. Intimpiercings werden grundsätzlich erst ab 18 Jahren gestochen. Wir denken das bedarf keiner weiteren Erklärung.
In den Fällen wo wir Minderjährige piercen ist es unumgänglich, dass ein Erziehungsberechtigter mitkommt (Personalausweis mitbringen) und hier vor Ort die schriftliche Einverständniserklärung ausfüllt. Da zu viele Teeanger doch versuchen mit nachgemachten Unterschriften oder Freundinnen die sich am Telefon als Mutter ausgeben zu “bescheißen”, bleibt nur noch dieser Weg um uns bestmöglich abzusichern. Außerdem möchten wir das sie dabei sind und mitbekommen was mit ihrem Kind geschieht und auch einen Überblick bekommen was bei der Nachsorge/Pflege so alles zu beachten ist.
Leider halten sich nicht alle Piercer und auch nicht alle Mediziner an das Gesetz und piercen bedenkenlos an Minderjährigen rum. Gar nicht zu reden von nicht angemeldeten Schwarz- und Hobby Piercern. Auch Piercing-Unfälle durch Selbstversuche mit Sicherheitsnadeln sind uns alles andere als unbekannt.
Sie sehen: Wenn ihr Kind sich wirklich piercen lassen will, ist es von ihrer Seite aus kaum zu verhindern.
Darum eine Bitte an Sie liebe Eltern: Informieren sie sich an kompetenter Stelle und machen sie aus der Erziehungsgewalt eine Erziehungsberechtigung. Nehmen sie sich Zeit und machen sich vor Ort ein Bild von der Arbeitsweise in dem Studio ihrer Wahl.
Denn hier geht es schließlich um die Gesundheit ihrer Kinder!
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Der Beitrag wurde von katja am 17 Mai 2007 in
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